August Hermann Francke

August Hermann Francke war ein deutscher Theologe, Pädagoge und gläubiger Christ, dessen Lebenswerk die Fürsorge für Kinder grundlegend verändert hat. Als Pfarrer in Halle an der Saale erlebte er Ende des 17. Jahrhunderts das bittere Elend von Waisen- und Straßenkindern hautnah. Angetrieben von christlicher Nächstenliebe gründete er 1695 mit nur vier Talern Startkapital eine Armenschule, um diesen Kindern eine Perspektive zu bieten. Aus dieser Keimzelle erwuchsen rasch die Franckeschen Stiftungen, eine einzigartige Schul- und Waisenhausstadt von europäischem Rang.

Francke war seiner Zeit weit voraus, denn er war überzeugt, dass jedes Kind – unabhängig von Herkunft und sozialem Status – das Recht auf Bildung und liebevolle Zuwendung hat. In seinen Einrichtungen verband er eine christliche Werteerziehung mit einer modernen, praxisnahen Ausbildung, die auf die individuellen Stärken der Jugendlichen einging. Statt sturem Auswendiglernen förderte er das spielerische Lernen durch Anschauung und führte eigene Werkstätten sowie einen Schulgarten ein.

Sein pädagogischer Ansatz basierte auf dem Ziel, Kinder zu eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen und gottvertrauenden Persönlichkeiten zu erziehen.

Heute gilt er als einer der bedeutendsten Wegbereiter der modernen Sozialpädagogik und der institutionalisierten Kinderhilfe. Sein unerschütterlicher Glaube an das Potenzial jedes einzelnen jungen Menschen ist bis heute das Herzstück und die tägliche Inspiration für unsere Arbeit.